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Die Gesetze menschlicher Dummheit
von Carlo M. Cipolla
illustriert von James Donnelly

Das erste Gesetz über die menschliche Dummheit behauptet ohne jeden Zweifel:

Immer und unvermeidlich wird die Zahl der im Umlauf befindlichen Dummen Individuen unterschätzt.

Stupid Person No. 1 Auf den ersten Blick erscheint diese Aussage trivial, wage und fürchterlich knauserig. Eine genauere Betrachtung läßt jedoch die realistische Wahrheit erkennen. Wie hoch auch immer man die menschliche Dummheit einschätzt, man wird ständig immer wieder von der Tatsache überrascht daß:

a) Leute, die man einst als vernünftig und klug schätzte, sich als unverschämt dumm entpuppen.

b) Tag für Tag, in ständiger Monotonie wird man drangsaliert durch dumme Individuen, die plötzlich und unerwartet an den unbequemsten Orten und zu den unpassendsden Zeiten erscheinen .

Dieses erste grundlegende Gesetz entbindet mich vor der Nennung eines bestimmten Prozentsatzes der Dummen als Anteil an der gesamten Bevölkerung. Jeder konkrete Anteil, den ich nenne, wird sich als Untertreibung herausstellen. Jedoch möchte ich diesen Anteil im Folgenden mit dem Symbol σ bezeichnen.

 

Das zweite Gesetz

Stupid Person No. 2 Kulturelle Trends in der westlichen Welt bevorzugen eine gleichmacherische Betrachtung des Lebens. Die Menschen lieben es zu denken, daß die menschlichen Wesen in perfekter Massenproduktion entstehen. Genetiker und Soziologen scheuen keine Mühe mit einem eindrucksvollen Aufwand von wissenschaftlichen Daten und Formulierungen uns zu beweisen, daß alle Menschen gleich sind und wenn einige gleicher sind, dann liegt das an der Erziehung und nicht an der Natur.
Diese allgemeine Ansicht teile ich nicht. Es ist meine feste Überzeugung, getragen von Jahren der Beobachtung und Überprüfung, daß die Menschen nicht alle gleich sind, daß einige dumm sind und andere nicht, und daß die Unterschiede durch die Natur bestimmt sind und nicht durch kulturelle Einflüsse und Faktoren. Der eine ist dumm in gleicher Weise wie ein anderer rothaarig ist. Einer gehört zur Gruppe der Dummen wie er auch eine bestimmte Blutgruppe besitzt. Ein dummer Mann wird mit dieser Veranlagung so geboren.
Obwohl ich überzeugt bin, daß der Anteil der Dummen so ist wegen der genetischen Veranlagung, bin ich nicht reaktionär und versuche nicht über diese Hintertür eine Klassengesellschaft oder Rassendiskriminierung wiedereinzuführen. Ich glaube fest, daß Dummheit eine zufällige Eigenschaft ist, die allen menschlichen Gruppen in gleichen Anteilen zugeordnet ist. Diese Tatsache wird wissenschaftlich durch das zweite grundlegende Gesetz ausgedrückt:

Die Wahrscheinlichkeit, daß eine bestimmte Person dumm ist, ist völlig unabhängig von jeder anderen Eigenschaft dieser Person.

In dieser Hinsicht, übertrifft sich die Natur selbst. Es ist allgemein bekannt, daß es die Natur auf ziemlich geheimnisvolle Weise einrichtet, bestimmte natürliche Erscheinungen konstant zu halten. Zum Beispiel, ob sich die Menscheit in Polnähe oder am Äquator vermehrt, ob man in entwickelten oder unentwickelten Gebieten lebt, ob es Schwarze, Weiße, Indianer oder Asiaten sind: das Verhältnis der männlich zu den weiblich Geborenen ist eine Konstante, mit leichter Bevorzugung der Männer. Wir wissen nicht, wie die Natur dieses bemerkenswerte Ergebnis erreicht, aber wir wissen, daß das in der Natur überall so ist. Die am meisten bemerkenswerte Tatsache über den wahrscheinlichen Anteil der Dummen ist nun, daß dieser Anteil, durch die Natur gesteuert, in jeder Gruppe ziemlich gleich zu sein scheint.

Man findet den gleichen Anteil an dummen Menschen, egal welche Gruppe man untersucht. Keine andere beobachtbare Eigenschaft der Menschen zeigt eine so gleichmäßige Verteilung in der Natur. Dies ist sehr bemerkenswert für die Macht der Natur.

Das Vorhandensein von Erziehung und Ausbildung hat nichts mit dieser Wahrscheinlichkeit zu tun. Das wurde weltweit an sehr vielen Universitäten durch Tests und Experimente überprüft . Man kann die Zusammensetzung in fünf große Gruppen unterscheiden, nämlich die Arbeiter/Handwerker, die Büroangestellten, die Studenten, die leitenden Verwalter und die Professoren.

Immer wenn ich die Gruppe der Arbeiter/Handwerker analysierte, fand ich einen Anteil σ von ihnen als dumm. Weil dieser Anteil σ höher wie vermutet war (erstes Gesetz), dachte ich zuerst -indem ich eine landläufige Meinung teilte-, daß Absonderung, Armut und Mangel an Bildung die Ursachen waren.
Aber höher auf der sozialen Leiter fand ich das gleiche Verhältnis bei den Büroangestellten und den Studenten.
Noch beeindruckender war das Ergebnis bei den Professoren. Ob ich eine große Universität oder eine kleine Studieneinrichtung, eine berühmte oder eine zweifelhafte betrachtete, ich fand stets den gleichen Anteil an dummen Professoren. Ich war von den Ergebnissen so verblüfft, daß ich eine besonders ausgesuchte Gruppe, eine wirkliche Elite, untersuchte, die Nobelpreisträger. Das Ergebnis bestätigte das Naturgesetz: ein Anteil von σ der Nobelpreisträger war dumm.

Dieser Gedanke ist schwer zu verstehen und zu verdauen, aber zu viele Versuchsergebnisse bestätigen seine fundamentale Richtigkeit. Dieses zweite grundsätzliche Gesetz ist eine eiserne Regel und sie hat keinerlei Ausnahmen.
Die Frauenbewegung wird es unterstreichen, daß es unter Männern genausoviel Dumme gibt, wie unter Frauen. Und die unterentwickelte Dritte Welt wird sich trösten, daß die weiterentwickelte Welt in dieser Hinsicht die gleichen Probleme hat.
Ob man nun dieses zweite Gesetz schätzt oder nicht, der Inhalt ist erschreckend: diese Gesetzmäßigkeit beinhaltet, daß es egal ist ob man sich in erlesenen Kreisen bewegt oder sich bei den Kopfjägern von Polynesien aufhält, ob man Zuflucht in einem Kloster sucht, oder beschließt, sein restliches Leben mit schönen und lüsternen Frauen zu verbringen, - man wird überall den gleichen Prozentsatz von Dummen gegenüberstehen. Und dieser Anteil wird (entsprechend dem Gesetz 1) immer die eigenen Erwartungen übertreffen.

Das dritte (und goldene) grundsätzliche Gesetz

Die das dritte Gesetz nimmt an, obwohl das nicht allzu genau ist, daß die Menschen in vier Kategorien einteilbar sind: die Hilflosen, die Intelligenten, die Banditen und die Stupiden (die Dummen).
Der scharfsinnige Leser wird leicht erkennen, daß die vier Kategorien mit der vier Gebieten H, I, B und S auf der unten stehenden Zeichnung korrespondieren.

Abbildung 1
Abbildung 1

Eine dumme Person ist jemand, der einer anderen Person oder einer Gruppe von Personen Schaden zufügt, ohne selber dabei Gewinn zu erzielen und dabei u.U. sogar zusätzlichen Verlust macht.

Wenn vernünftige Menschen das erste Mal mit dem dritten Gesetz konfrontiert werden, reagieren sie mit Skepsis und Unglauben. Es ist eine Tatsache, daß vernünftige Menschen Schwierigkeiten haben, unvernünftiges Verhalten zu begreifen und zu verstehen. Aber verlassen wir die luftigen Ebenen der Theorie und sehen uns im wirklichen, täglichen Leben um.
Wir alle erinnern uns an Vorfälle bei denen jemand eine Aktion ausführte, die zu seinem Gewinn und unserem Verlust führte. Wir hatten es mit einem Banditen bzw. Betrüger zu tun.
Wir erinnern uns auch an Fälle in denen jemand einen Verlust erlitt und wir einen Gewinn. Wir handelten mit einer hilflosen Person.
Wir können uns auch an Fälle erinnern bei denen beide Seiten einen Gewinn hatten: unsere Partner waren intelligent.
Solche Fälle kommen in der Tat vor. Aber nach einigem Nachdenken müssen Sie zugeben, daß solche Ereignisse nicht sehr häufig in unserem täglichen Leben vorkommen.
Unser Alltag besteht meistens aus Fällen in denen wir Geld verlieren und/oder Zeit und/oder Energie und/oder Appetit, Heiterkeit oder Gesundheit wegen der Wirkung einiger absurder Geschöpfe, die dabei nichts gewinnen und uns nur Verlegenheiten und Schwierigkeiten bereiten oder uns sonstwie schaden.
Und niemand weiß, versteht oder kann möglicherweise erklären, warum diese absurde Kreatur das tut, was sie tut.
Tatsächlich gibt es dafür keine Erklärung -oder besser-es gibt dafür nur eine Erklärung: diese Person ist dumm (stupide).

Häufigkeitsverteilung

Die meisten Menschen handeln nicht konsequent. Unter bestimmten Umständen handelt eine bestimmte Person intelligent und unter anderen Umständen wird dieselbe Person hilflos handeln. Die einzige wichtige Ausnahme der Regel der Inkosequenz sind die dummen Menschen, die normalerweise eine starke Neigung zu dieser Eigenschaft in allen menschlichen Bereichen haben und sich konsequent dumm verhalten.

Daraus folgt, daß wir eine Einzelperson nicht eindeutig einem Feld zuordnen können. Wir können für jede Person in jedem Einzelfall berechnen, wo seine gewichtete durchschnittliche Position in der Ebene der Abbildung 1 liegt, ganz unabhängig von dem Grad der Inkonsistenz. Ein Hilfloser kann sich gelegentlich intelligent verhalten und gelegentlich kann die Person wie ein Bandit handeln. Aber da die betreffende Person im Grunde hilflos ist, werden die meisten ihrer Aktionen die Eigenschaften von Hilflosigkeit haben. So fallen die gesamten gewichteten Eigenschaften einer solchen Person in den H-Quadranten der obigen Grafik.

Die Tatsache, daß es möglich ist, auf dem Graphen Individuen anstelle ihres typisierten Handelns zu plazieren, erlaubt einen Exkurs über die Häufigkeit von Banditen und dummen Typen.

Die perfekte Bandit fügt mit seinen Taten anderen Individuen Verluste in Höhe seiner Gewinne zu. Die einfachste Art von Räuberei ist Diebstahl. Jemand der Ihnen 100 Euro raubt, ohne daß Sie einen zusätzlichen Verlust oder Schaden haben, ist ein perfekter Bandit: Sie verlieren 100 Euro, er gewinnt 100 Euro. In dem Übersichtsbild liegt der perfekte Bandit auf einer Diagonalen, die den Bereich B in zwei gleichgroße Bereiche aufteilt. Das ist die Linie OM in Abbildung 2.

Abbildung 2
Abbildung 2

Jedoch sind "perfekte" Banditen verhältnismäßig selten. Die Linie OM teilt den Bereich B in zwei Unterbereiche B1 und B2 ein und die allermeisten Banditen fallen nicht genau auf diese Linie, sondern in einen der zwei Unterbereiche.

Die Banditen, die in den Bereich B1 fallen, sind diejenigen Personen, deren Handlungen größere Gewinne ergeben als die Verluste bei anderen Menschen. Alle Banditen, für die eine Position im Bereich B1 berechtigt ist, sind Banditen mit einem Anflug von Intelligenz. Je näher sie der rechten Seite der X-Achse kommen je mehr teilen sie die Merkmale von intelligenten Personen.

Leider sind die Individuen, die das Recht auf eine Position in dem B1-Bereich haben nicht sehr zahlreich. Die meisten Banditen fallen in den Bereich B2. Die Personen, welche in diesen Bereich fallen, sind diejenigen, deren Handlungen weit weniger Gewinn ergeben als sie anderen an Schaden zufügen.
Wenn Dich jemand wegen 50 Euro tötet, um mit Deiner Frau ein Wochenende in Monte Carlo zu verbringen, können wir sicher sein, daß er nicht zur Gruppe der perfekten Banditen gehört. Auch wenn man die Maßstäbe des Banditen nimmt, um dessen Gewinne zu messen (aber immer noch die eigenen Maßstäbe für die eigenen Verluste nimmt) fällt er in den Bereich B2 und zwar sehr nahe an die Grenze zur schieren Dummheit. Generäle, die große Zerstörung verursachen und unzählige Opfer im Gegenzug für eine lobende Erwähnung oder eine Medaille in Kauf nehmen, fallen in in jedem Fall in diesen Bereich.

Die Häufigkeitsverteilung der dummen Leute sieht völlig anders aus als bei Banditen. Während Banditen meist über eine Fläche verteilt sind, konzentrieren sich dumme Menschen stark entlang einer Linie auf der Y-Achse unter Punkt O. Der Grund dafür ist, daß die weitaus meisten dummen Menschen grundsätzlich und unbeirrt dumm sind- mit anderen Worten: es ist ihnen völlig egal, welche Folgen sie anderen Menschen zufügen, und ob es sich um Verluste oder Gewinne handelt.

Es gibt jedoch auch Menschen, die durch ihre unwahrscheinlichen Aktionen nicht nur Schäden an anderen Menschen verursachen, sondern darüber hinaus sich selber schaden. Sie sind eine super-dumme Abart, die in unserem System, irgendwo im Bereich S , weit links von der der Y-Achse erscheinen.

Die Macht der Dummheit

Es ist nicht schwer zu verstehen, wie soziale, politische und institutionelle Macht das schädigende Potential von dummen Menschen erhöht. Aber man muß noch erklären und verstehen, was im wesentlichen einen dummen Menschen so gefährlich für andere Menschen macht - mit anderen Worten, wie die Macht der Dummheit entsteht.

Im wesentlichen sind dumme Leute gefährlich und schädlich, weil es für vernünftige Menschen schwierig und unverständlich ist, sich unvernünftiges Verhalten vorzustellen.
Eine kluge Person kann die Logik von Banditen verstehen. Die Handlungen von Banditen folgen einem Muster von Rationalität: eine häßliche Rationalität, wenn Sie so wollen, aber immer noch Rationalität. Der Bandit möchte ein Plus zu seinen Gunsten. Weil er nun nicht intelligent genug ist, um Möglichkeiten zur Erlangung des Plus auch bei Ihnen zu entwickeln, wird er sein Plus erreichen, indem er Ihnen ein Minus auf Ihrem Konto zufügt. Das ist zwar schlecht, aber es ist rational und falls Sie rational denken können, ist es vorhersagbar. Man kann die Handlungen von Banditen voraussagen, - seine fiesen Manöver und häßlichen Wünsche- und oft kann man sich dagegen schützen.

Bei einer dummen Person ist all dies jedoch absolut unmöglich, wie schon in der dritten Regel erklärt. Ein Dummer belästigt Sie völlig grundlos, er hat davon auch keinen Vorteil, er handelt ohne Plan oder Schema, zu den unerwartestensten Zeiten und an den unwahrscheinlichsten Orten. Sie haben keine vernünftige Möglichkeit zu erkennen, ob, wann, wie und warum die dumme Kreatur Sie angreift. Wenn Sie mit einem Dummen konfrontiert werden, sind Sie völlig in seiner Gewalt. Da bei dummen Personen die Handlungen nicht den Regeln der Vernunft entsprechen, daraus folgt:
a) erstmal wird man von seinem Angriff überrascht sein und
b) auch wenn man den Angriff erkennt, kann man nichts zu einer rationalen Verteidigung organisieren, weil dem Angriff jede rationale Struktur fehlt.

Die Tatsache, daß die Aktivitäten des dummen Wesens absolut unberechenbar und irrational sind, macht nicht nur eine Verteidigung problematisch, sondern auch jeden Gegenangriff extrem schwierig, - wie wenn man auf ein Objekt schießen soll, daß die unwahrscheinlichsten und unvorstellbarsten Bewegungen ausführt. Das ist es, was Schiller meinte, als er sagte "gegen Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens". *)

Das vierte Gesetz

Daß hilflose Menschen, nämlich diejenigen, die in unserem Ordnungssystem in den H-Bereich fallen, in der Regel nicht erkennen, wie gefährlich dumme Menschen sind, ist überhaupt nicht überraschend. Deren Unfähigkeit das zu erkennen, ist nur ein weiterer Beweis ihrer Hilflosigkeit. Die wirklich erstaunliche Tatsache ist jedoch, daß auch intelligente Menschen und Banditen oft nicht erkennen, welche schädigende Macht inhärente Dummheit hat. Dieser Sachverhalt ist sehr schwer zu erklären, und man findet oft, daß intelligente Menschen sowie Banditen, wenn sie mit dummen Menschen konfrontiert werden, den Fehler machen, in Gefühlen von Selbstgefälligkeit und Geringschätzung zu schwelgen, anstatt sofort ausreichende Mengen an Adrenalin und Abwehrkräfte aufzubauen.

Man glaubt manchmal, daß ein dummer Mensch nur sich selbst schadet, aber das ist eine Verwechslung von Dummheit mit Hilflosigkeit. Gelegentlich ist man versucht, einem dummen einzelnen Mitarbeiter, für die eigenen Ziele zu benutzen. Ein solches Manöver muß nicht, aber kann verheerende Effekte haben, weil
a) es ist auf einem völligen Unverständnis der Dummheit beruht und
b) weil es der dummen Person Spielraum für die Ausübung seiner Gaben hinzufügt.
Man kann hoffen, den Dummen zu überlisten und, -bis zu einem bestimmten Punkt-, es auch tun. Aber wegen des nicht vorhersehbaren Verhaltens, kann man nicht all die dummen Aktionen und Reaktionen erahnen, und es dauert nicht lange, dann wird man durch unvorhersehbares Verhalten des dummen Partners pulverisiert werden.

Dies ist in der vierten Regel zusammengefaßt, in der es heißt:

Menschen, die nicht dumm sind, unterschätzen stets das Gefährlichkeitspotential dummer Menschen. Vor allem vergessen Menschen, die nicht dumm sind, ständig, daß Verhandlungen und/oder Verbindungen zu jedem Zeitpunkt, an jedem Ort und in jedem Fall mit dummen Personen sich unweigerlich als teurer Irrtum herausstellen werden.

Durch Jahrhunderte und Jahrtausende, im öffentlichen wie im privaten Leben, haben unzählige Einzelpersonen es versäumt, diese vierte Regel zu beachten und dadurch wurde der Menschheit unkalkulierbarer Schaden zugefügt.

Das fünfte grundlegende Gesetz

Anstelle des Wohlergehens eines Einzelnen betrachten wir das Wohl der Gesellschaft, in diesem Zusammenhang als die algebraische Summe der Bedingungen von Individuen. Ein vollständiges Verständnis der fünften Regel ist von wesentlicher Bedeutung für die Analyse. Es mag hier ergänzt werden, daß diese fünfte Regel sicherlich zu den bekanntesten gehört und ihre logische Folge sehr häufig zitiert wird. Die fünfte grundsätzliche Regel lautet:

Eine dumme Person ist der gefährlichste Typ von Personen.

Die logische Folge dieser Gesetzmäßigkeit ist dann:

Die Dummheit richtet mehr Schaden an als Verbrechen.

Das Ergebnis von Handlungen eines perfekten Banditen (die Person die sich auf der Linie OM von Abbildung 2 befindet) ist schlicht und einfach ein Transfer von Reichtum und/oder Wohlfahrt. Nach einer Handlung eines perfekten Banditen, hat der Bandit ein Plus auf seinem Konto, was genau dem Verlust einer anderen Person entspricht. Dadurch steht die Gemeinschaft insgesamt weder besser noch schlechter da. Wenn alle Mitglieder einer Gesellschaft perfekte Banditen wären, würde die Gesellschaft stagnieren, aber es wäre keine große Katastrophe. Es würde sich ein massiver Transfer von Wohlstand und Wohlergehen zu Gunsten derjenigen ergeben, die Maßnahmen ergreifen. Wenn alle Mitglieder der Gesellschaft regelmäßig solche Maßnahmen ergreifen würden, würde sich nicht nur für die Gesellschaft als Ganzes, sondern auch für jeden Einzelnen keine Veränderung ergeben.

Wenn dumme Leute am Werk sind, ist die Geschichte jedoch ganz anders. Dumme Menschen verursachen Verluste bei anderen Menschen, ohne im Gegenzug eigene Gewinne zu erzielen. So verarmt die Gesellschaft als Ganzes. Das Ordnungssystem in den Diagrammen zeigt, daß alle Handlungen von Individuen, die rechts von der Linie POM (siehe Abb. 3) etwas zum Wohlergehen einer Gesellschaft hinzufügen, obwohl jeweils in verschiedener Hinsicht, die Handlungen aller Individuen auf der linken Seite der Linie jedoch gleichzeitig eine Wertminderung bewirken.

Abbildung 3
Abbildung 3

Mit anderen Worten: die Hilflosen mit einem Anflug von Intelligenz (Bereich H1), die Banditen mit einiger Intelligenz (Bereich B1) und vor allem die Intelligenten (Bereich I) tragen alle dazu bei, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß, Wohlstand in der Gesellschaft zu vermehren. Auf der anderen Seite stehen die Banditen mit Eigenschaften von Dummheit (Bereich B2) und die Hilflosen mit Eigenschaften von Dummheit (Bereich H2), welche zu den Verlusten, die durch die Dummen ohnehin entstehen, noch weitere hinzufügen. So zeigt sich die ruchlose und zerstörerische Kraft der letzteren Gruppe.

Es liegt nahe, nun einige Überlegungen über die Leistung der Gesellschaft anzustellen. Nach dem zweiten Grundgesetz ist der Anteil der dummen Menschen eine Konstante σ, die nicht von der Zeit noch von Raum, Rasse, Klasse oder einer anderen sozio-kulturellen oder historischen Variablen beeinflußt wird. Es wäre ein großer Fehler zu glauben, die Anzahl der dummen Menschen ist in einer absteigenden Gesellschaft größer als in einer sich aufwärts entwickelnden Gesellschaft. Beide Gesellschaften werden von dem gleichen Prozentsatz von dummen Menschen geplagt. Der Unterschied zwischen den beiden Gesellschaften besteht darin, daß in der Gesellschaft die schlecht funktioniert:

a) den dummen Mitgliedern der Gesellschaft von den anderen Mitgliedern mehr Handlungen und damit mehr Auswirkungen erlaubt werden und
b) es eine Änderung in der Zusammensetzung der nicht-blöden Gruppe durch einen relativen Rückgang der Bevölkerung in den Bereichen I, H1 und B1 und einer entsprechenden Erhöhung der Populationen in H2 und B2 gibt.

Diese theoretische Annahme wurde reichlich durch eine erschöpfende Analyse historischer Fälle bestätigt. Tatsächlich ermöglicht es uns die historische Analyse, die theoretischen Schlußfolgerungen in einer sachlichen Art und Weise und mit mehr realistischen Details zu formulieren.

Ob man klassische oder mittelalterliche oder moderne oder zeitgenössische Zeiten betrachtet, wird man durch die Tatsache beeindruckt, daß jedes Land, welches sich bergauf bewegt, den gleichen unvermeidbaren σ Bruchteil dummer Menschen hat. Doch ein Land, welches sich bergauf entwickelt, hat auch ein ungewöhnlich hohen Anteil an intelligenten Menschen. Sie halten den Anteil σ im Zaum und erzeugen gleichzeitig genug Gewinne für sich selbst und für andere Mitgliedern der Gesellschaft, um Fortschritte sicher zu stellen.

Auch in einer sich abwärts bewegenden Gesellschaft beträgt der Anteil der Dummen σ; jedoch in der übrigen Bevölkerung bemerkt man unter den Machthabern eine alarmierende Zunahme von Banditen mit zusätzlichen Eigenschaften von Dummheit (Unter-Bereich B2 des Quadranten B in Abbildung 3) und bei den nicht Machthabenden eine ebenso alarmierende Zunahme der Zahl von hilflosen Personen (Bereich H in der Abb.1). Eine solche Veränderung in der Zusammensetzung der nicht dummen Bevölkerung stärkt unweigerlich die zerstörerische Kraft der σ-Fraktion und sorgt mit Gewißheit für den Abstieg. Und das Land geht zum Teufel.


*) Anmerkung des Übersetzers:
Ein ähnliches erwähntes Zitat von Dickens "with stupidity and sound digestion man may front much" kann ich nicht griffig übersetzen. Vielleicht sinngemäß:
"Mit Dummheit und Frechheit kann man viel erreichen." ?


Prof. Carlo M. Cipolla lehrte an der UCB bis 1991 und starb am 5.9.2000 in Pavia, Italien.
Seine Erben versuchten das Copyright für den englischen Orginaltext
The Basic Laws of Stupidity
zurückzuerlangen. Der Text wurde aber als Public Domain herausgegeben und diese Rechte können erfreulicherweise nicht zurückverlangt werden.

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